Man muss den Sport kennen

Noch mehr als bei anderen Sportarten kommt es beim fotografieren von American Football darauf an, zumindest halbwegs  die Grundregeln und Taktiken zu kennen, denn nicht von ungefähr wird es auch als ‚Rasenschach‘ bezeichnet. Beim fotografieren sollte man in etwa vorausahnen können, was als nächstes passiert. Ist ein Laufspielzug oder ein Passspiel zu erwarten? Wer könnte der Passempfänger sein? Normalerweise ist das Spiel zu schnell um zu reagieren, vor allem, wenn der Ball geworfen wird. Versucht man es, sieht man oft nicht wohin er geht. Werden noch dazu Täuschungsmanöver der Offense gespielt, sieht es ganz schlecht aus.

Kleiner Tipp: Schaut man durch den Sucher und lässt das andere Auge offen, kann man das Geschehen etwas besser verfolgen. Allerdings erfordert ein harter Schwenk mit der Kamera einen sehr schnellen Autofokus und ein Objektiv, das sehr schnell scharfstellt. Meist entscheidet man vorher, ob man den Quarterback beim Wurf, die Übergabe des Balls an den Runningback oder das fangen des Balls vom Receiver ablichten möchte. Wenn man ein American Football Team länger fotografisch begleitet, kennt man Spieler und das Umfeld besser, und kann sich darauf einstellen. Man braucht auch manchmal etwas Glück um zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle zu stehen.

Vorbereitung ist alles

Fernab der Sideline ist es meist schwer, gute Aufnahmen zu machen. Für Fotografen, die es mal ausprobieren möchten, gibt es aber in den unteren Ligen genügend Gelegenheiten. American Football zu fotografieren, wenn man höflich anfragt. In der German Football League muss man sich meist akkreditieren lassen. Ohne Akkreditierung bekommt man keinen Fuß an die Sideline, was auch seine Gründe hat. Hat man die Zusage, sollte man vorab die Spielstätte zur Spielzeit besuchen, um gute Standorte zu finden, das Licht abzuschätzen usw. Am besten ist es, man schaut sich vorher ein Spiel ohne Kamera an, um einen Eindruck zu gewinnen was da so abläuft.

Das Wichtigste ist immer die Sicherheit und die Gesundheit von Spielern, dem Team außenrum und dem Fotografen, also einem selbst, egal in welcher Liga man fotografiert. Deswegen immer an die Anweisungen halten und nichts riskieren!

Gameday – jetzt wird’s ernst

Den besten Standort in der Sportfotografie gibt es nicht. Manche setzen sich auf einen Hocker und bleiben da. Manche laufen 20 Meter hin und her. Andere sind immer auf Höhe des Balls. Ich für meinen Teil bin ständig unterwegs, um auch das Geschehen außerhalb des Spielfelds festhalten zu können.  Das ist allerdings ziemlich anstrengend, da so ein Spiel schon mal 3 Stunden dauern kann und das Equipment nicht gerade leicht ist.

Ist man meist auf Höhe des Balls, kommt man mit einem 70-200mm gut zurecht. Hat man noch ein 24-70mm oder Ähnliches, ist man ganz gut aufgestellt. Nur für die ganz längen Pässe, oder wenn man einen bestimmten Bereich zugewiesen bekommt, braucht man ein 300mm bzw. 400mm Objektiv. Aufnahmen mit Superweitwinkelobjektiven haben ihren Reiz. In den Bundesligen wird mittlerweile auch oft unter Flutlicht gespielt, was natürlich ganz andere Anforderungen an das Equipment und den Geldbeutel stellt. Zu guter letzt: Schutzausrüstung für sich und das Equipment nicht vergessen.

Eine besondere Herausforderung beim Fotografieren von American Football sind die Gesichter der Spieler. Durch die Helme wird das Gesicht abgeschattet und manche tragen auch noch einen Gesichtsschutz aus Kunststoff, der spiegelt. Abhilfe schafft hier das RAW-Format. Entweder man fotografiert nur in diesem Format oder man speichert das JPG bzw. das neue HEIF-Format parallel mit. Beides senkt die Serienbildgeschwindigkeit merklich. Großer Vorteil der RAW-Formats ist, dass man wesentlich mehr Möglichkeiten hat, die Aufnahmen ohne Qualitätsverlust zu bearbeiten, also bspw. die Gesichter aufzuhellen.

American Football fotografieren ist eine Herausforderung. Neben einer vernünftigen Ausrüstung benötigt man gute Kenntnisse über die Sportart und das Spiel selbst. Der Aufwand lohnt, denn man bekommt von dieser faszinierenden Sportart Aufnahmen, die nicht alltäglich sind