Mensch und Maschine

Motorradfahrer sind eine ganz eigene Gattung für sich. Sorgfältig wird das eigene Bike gehegt, gepflegt und individualisiert. Nichts freut den Biker mehr, wenn jemand sagt: ‚Ein geiler Hobel‘ Daher ist es nur logisch, dass Motorradfahrer sich und ihre Maschinen gerne auf den Sensor bannen lassen möchten. Da ich nicht im Studio fotografiere, unterschiede ich zwei Arten der Motorrad-Fotografie. On-Location, die der Portrait-Fotografie ähnelt und On-Street, wo die Seele des Motorradfahrens festgehalten wird. Bewegung, Geschwindigkeit, Schräglage.

Eine Location finden

Im Prinzip eignen sich viele Locations für die Motorradfotografie. Sie sollte nur nicht interessanter sein als das Hauptmotiv selbst. Wenn das Motorrad auf Straßen, Wegen, Parkplätzen oder ähnlichem fotografiert wird, sollte man darauf achten, das sich keine störenden Elemente, wie Laternen, Mülleimer oder andere parkende Fahrzeuge im Hintergrund befinden. Auch Gebäude am Horizont ziehen den Blick des Betrachters weg vom Hauptmotiv.

Beliebt sind auch Hintergründe wie Rolltore, alte Mauern etc. Hier ist die nähere Umgebung völlig uninteressant, da das Shooting in einem begrenzten Raum stattfindet. Alte leerstehende Fabrikanlagen und Lagerhallen oder Schrottplätze sind absolute Top-Locations, aber auch Parkhäuser und Hafenanlagen haben ihren Reiz. Hier sollte man aber auf jeden Fall eine Genehmigung einholen.

Solche Top-Locations zu finden und nutzen zu dürfen ist nicht immer ganz einfach und nimmt Zeit in Anspruch. Lohnen tut es sich aber auf jeden Fall

Die Perspektive macht’s

Wie soll man jedoch man ein Motorrad mit oder ohne Fahrer/in fotografieren? Schaut man sich Fotografien von Motorradherstellen oder gut gemachten Zeitschriften an, fällt auf, das diese so gut wie immer von einem tieferen oder höheren Standpunkt fotografiert sind Vereinfacht gibt es vier Hauptansichten. Front- und Heckansicht, Seitenansicht und Viertelprofil. Das Viertelprofil hat sich als sehr vielseitig herausgestellt, da sich hier außergewöhnliche Aufnahmen machen lassen. Als Beispiel führt eine tiefe Kameraposition mit einem Weitwinkelobjektiv zu einer optisch ‚bulligen‘ Darstellung von Mensch und Maschine. Nutzen sollte man alle Parameter die man zur Verfügung hat, also Blende, Brennweite, Abstand. Wichtig ist die Kameraposition die sich in etwa der Höhe des Tanks bzw. der Scheinwerfer oder tiefer befinden sollte. Auch Bilder von einer erhöhten Position haben ihren Reiz, da diese nicht der normalen Ansicht eines Betrachters entspricht.

Licht ist nicht gleich Licht

Die On-Location Motorrad-Fotografie lässt am ehesten mit der Portrait-Fotografie vergleichen, und genau wie in der Portrait-Fotografie spielt das Licht eine entscheidende Rolle wann und zu welcher Tageszeit und ob mit Tages- oder Blitzlicht fotografiert wird. Der Einsatz von Blitzlicht kommt dabei eine besondere Rolle zu. Man besitzt die volle Kontrolle über Lichtmenge und Richtung und verleiht der Aufnahme so etwas Besonderes. Ich verwende hierzu zwei Rollei Freeze 6s mit Oktaboxen oder Durchlichtschirmen die auf beiden Seiten spitz zum Motorrad stehen. Dadurch werden die Konturen herausgearbeitet und das Motorrad bekommt Plastizität. Blitzlicht dient nicht nur dazu ‚mehr Licht‘ zu produzieren, wenn es zu dunkel ist, sondern kann als Gestaltungsmittel kreativ eingesetzt werden. Durch die in den meisten Blitzen verfügbare Highspeed Synchronisation (HSS) ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten der Bildgestaltung.

Motorrad-Fotografie On-Street

Aufnahmen während des Fahrens im öffentlichen Straßenverkehr sind für mich eine Gradwanderung. Oft gehen die Fahrer/innen ein höheres Risiko ein um ‚das Bild‘ zu bekommen. Bei einem Shooting krachte ein Biker in einer Linkskurve in die Leitplanke und hinterließ nur noch einen teuren Haufen Schrott. Glücklicherweise kam er mit leichten Prellungen und blauen Flecken davon.

Aus diesem Grund, fotografiere ich On-Street nur noch auf dafür vorgesehen und gesicherten Strecken wie z.B. den Hockenheimring, die entsprechende Events für Privatfahrer anbieten. Ausnahme, langsame Geradausfahrten z.B. von Pärchen auf sehr ruhigen oder gesperrten Straßen.

‚Mitzieher‘ für Dynamik und Geschwindigkeit

Sogenannte Mitzieher bringen Dynamik und Geschwindigkeit ins Bild. Theoretisch ganz einfach, erfordert dies Technik es eine ganze Menge Übung. Zur Theorie. Man verfolgt das Motorrad mit der Kamera und drückt ab wenn es auf der richtigen Höhe ist. Das wichtigste dabei ist die Belichtungszeit. Als Daumenwert gilt der Kehrwert der Geschwindigkeit. Niedrigere Belichtungszeiten verstärken die Bildwirkung enorm. Die Kamera sollte auf höchste Serienbildgeschwindigkeit und Verfolgungs-Autofokus (Canon AI-Focus) eingestellt sein. Die Blendeneinstellung spielt keine Rolle. Stabilisator entweder auf aus oder auf Mode 2 (Canon-Objektive) um ein entgegenwirken desselben zu unterbinden.Wichtig sind auch ein vernünftiger Stand und das Objektiv von unten mit der Hand zu stabilisieren. Kleiner Tipp: Man sollte schon kurz vor dem eigentlichen gedachten Punkt auslösen, dann ist die ‚Trefferquote‘ um einiges höher. Trotzdem wird man vor allem an Anfang eine Menge Ausschuss produzieren.

Fazit

Motorrad-Fotografie ist ein faszinierendes Genre, Mitzieher eine spannende aber nicht einfache Technik. Hat man das Prinzip verstanden, braucht man Geduld und Übung um gute Ergebnisse zu erzielen. Oberstes Gebot ist aber immer die Gesundheit von Fahrer und Fotograf, diese sollte man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Wer Fragen zu diesem Thema hat, kann sich gerne bei mir melden